Kämpfer ist Kämpfer ist Kämpfer

Es gibt viele Kämpfer, die Geschichte schrieben: Robinson Crusoe, der als Schiffsbrüchiger Jahre auf einer Insel verharrte, Marie Antoinette, die in jungen Jahren in die königliche Familie Frankreichs eingeheiratet wurde und dort um Ansehen kämpfte oder einfach auch Leonardo Dicaprio, der als Jim Carroll in den Straßen von New York durch Drogen, Alkohol und Partys sein Leben auf’s Spiel setzte. Doch dieser kleine Kämpfer, den ich euch jetzt vorstelle, hat seine eigene, kleine Geschichte.
Es war spät am Abend im August 2012, als Mascha und ihr Verlobter Nassim durch die Straßen Algeriens liefen. Sie waren zu Besuch bei Nassims Familie, lebten aber in Deutschland.

Der Verkehr an diesem Abend war schrecklich, als sie zwischen dem Lärm der Autos ein lautes Schreien warhnahmen. Unter dem Rinnstein eines parkenden Fahrzeugs entdeckten sie eine kleine Katze, die jämmerlich nach ihrer Mutter rief. Die kleine Katze starrte direkt in Maschas und Nassims Richtung, während die beiden sich nach einem Muttertier umsahen, doch die Ecken blieben leer. Sie fanden die Mutter nicht, bemerkten aber zunehmlich, wie der kleine Fratz versuchte, in deren Richtung zu gelangen. Was nun? Nach 30 Minuten des Suchens und Wartens entschlossen sie sich, die kleine Katze mit zu Nassims Familie zu nehmen.
Daheim angekommen, kramte sich das verlobte Paar durch die Schränke. Was sollten sie dem kleinen Kätzchen, was sich als Kater herausstellte, nun nur zu fressen geben? Sie hatten kein Katzenfutter Zuhause und so spät abends hatte kaum ein Laden mehr auf, wobei man in Algerien nicht mal Katzenmilch bekommen würde. Während der kleine Kater völlig erschöpft einschlief, recherchierte Mascha im Internet nach Möglichkeiten, um ihren Schützling zu versorgen. Ein Tierarztbesuch für den nächsten Tag war schon fest eingeplant, lag aber noch so viele Stunden entfernt. Sie fand den Tipp, Milchpulver aufzulösen und mit Hilfe einer Spritze zu füttern. Spät abends besorgten sich die beiden also dieses Pulver, bekamen sogar noch eine Spritze. Katerchen schlug sich den Bauch voll, war er doch so abgemagert. Alle 3 Stunden stand Mascha auf, um ihn zu füttern. In der restlichen Zeit schlief er zusammen mit seinen beiden Pflegeeltern im Bett, bequem auf Maschas Hand.
Am nächsten Tag besuchten sie einen Tierarzt in Algerien. Miezchen war ca. 3 Wochen alt, so der Arzt. Er bekam eine Wurmkur, Kittenimpfungen und eine Parasitenbehandlung, denn er war voller Ungeziefer. Dreimal musste er in einer stinkenden Flüssigkeit gebaden werden. Sicher kein Zuckerschlecken für Katz und Mensch.
Man konnte förmlich zusehen, wie sich der Kleine in die neue Familie eingewöhnte, doch so konnte der Zustand nicht bleiben. In einer Woche flogen Mascha und Nassim wieder nach Deutschland und die Katze konnte nicht mit. Eine Katze muss bei Einführung nach Deutschland eine Tollwutimpfung nachweisen können und gechipt sein. Problem war, dass man diese Tollwutimpfungen erst nach 3 Monaten nachweisen kann. Die Einreise nach Deutschland war somit unmöglich. Doch wohin nun mit dem kleinen? Die Suche begann. Weder Familie noch Bekannte hatten Interesse oder Platz für eine kleine Katze. Mascha sagt, Straßenkatzen sind in Algerien nicht sonderlich beliebt. Auch gab es dort keine Tierheime und das wäre wohl auch die letzte Lösung gewesen, für die sich die beiden entschlossen hätten. Doch Nassims Schwester fasste sich ans Herz und nahm den kleinen Rocky zu sich. Rocky, der Straßenkämpfer. Der Name passte wie die Faust auf’s Auge.
Mascha und Nassim gaben Rocky erst am letzten Tag ihrer Reise an seine neue Mama. In der Zwischenzeit entwickelte sein Auge noch eine Bindehautentzündung. Es schwoll an, war schmierig und klebte.  Auch das noch. Die Entzündung wurde mit Augentropfen und Wattestäbchen abgetupft, bis das nasse Auge wieder abheilte.
Nun bekam Rocky noch eine volle Ausstattung Katzensachen:  Katzenklo, Futter, Spielzeug und eine Kuschelrolle, damit die Aufnahme für die frisch gebackene Katzenmama finanziell nicht ganz so an die Grenzen stieß. Der Übergabe stand nichts mehr im Weg.

Wehmütig verabschiedeten sich Mascha und Nassim von ihrem Zögling und flogen zurück nach Deutschland.
Heute, einen Monat nach Rockys Entdeckung, ist der kleine gesund und munter und hat sich sehr gut in sein neues Zuhause eingewöhnt.
Wenn doch alle Katzen so viel Glück hätten, wie der kleine Rocky 🙂

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